Digitaler Güterverkehr
Artikel: Wie die DB Modular Cloud eine digitale Unterstützung der Umschlagterminals wurde
Wenn ein Container zwischen LKW und Schiene „umsteigen“ soll, ist dies das Spezialgebiet der DUSS. Dies ist die „Deutsche Umschlaggesellschaft Schiene-Straße“. Als Tochter der DB InfraGO ist die DUSS mit ihren Terminals auf diese Verladung von Gütern spezialisiert: „Wir setzen Ladeinheiten vom LKW auf die Schiene und wieder zurück, wir bringen die Güter wirklich auf die Schiene“, erklärt Katrin Altmann, die bei DUSS für das Betriebsleitsystem „BLU“ verantwortlich ist. In über 20 Umschlagterminals lädt das Unternehmen jedes Jahr über zwei Millionen sogenannte „Ladeeinheiten“ um. Dies sind vor allem Schiffscontainer oder LKW-Auflieger, die einen Teil ihrer Reise klimafreundlich auf einem Güterzug hinter sich bringen.
Die Digitalisierung der Umschlagterminals
Auch in dieser Schwerlastwelt zwischen Güterzügen, Containerkränen und LKW spielt die Digitalisierung inzwischen eine sehr große Rolle dabei, Abläufe schneller und einfacher zu machen: „Wenn ein LKW früher in unsere Terminals eingefahren ist, dann war es so, als ob er plötzlich aus dem Nichts da gewesen ist“, berichtet Katrin Altmann aus längst vergangener Praxis: „Er hat sich dann auf eine sogenannte Vorstaufläche auf einen Check-in-Platz gestellt und dort gewartet, bis ein Operator mit einem Formular gekommen ist und sich diese Ladeinheit angesehen hat.“ Diese Mitarbeitenden haben hierbei LKW und Ladeeinheit notiert und mögliche äußere Schäden an der Ladung protokolliert.
Jeden Tag fahren Hunderte LKW an jedem dieser Terminals ein und aus, die jeweils kontrolliert und koordiniert werden müssen. Denn es sollen selbstverständlich nur LKW auf das Gelände gelangen, die einen Auftrag haben. Wenn dies geklärt ist, dann müssen die Trucks zur richtigen Zeit an den richtigen Kranplatz gelangen. Die Planung und Auftragsverwaltung am Terminal ist inzwischen längst digitalisiert, auch das frühere Klemmbrett der Mitarbeitenden im Terminal ist bereits vor Jahren Tablets gewichen. Speditionen nutzen heute beispielsweise eine Smartphone-App der DUSS, um hier ein Zeitfenster für den „Umschlag“ anzumelden. Das Betriebsleitsystem verwaltet im Hintergrund alle Aufgaben im Terminal, plant die Verladung auf die Züge und verwaltet die Abstellplätze. Das System vermittelt zwischen den beteiligten Operateuren und den zahlreichen Speditionen.
Automatisierte Videotore als LKW-Türsteher
Heute erkennen an vielen Verlade-Terminals der DUSS smarte Videotore sowohl die LKW anhand des Kennzeichens als auch deren Beladung bei der Ein- und Ausfahrt: „Ein LKW möchte einfahren, dann geht von der Kameraerkennung eine Rückfrage an unser System: Darf dieser LKW in das Terminal einfahren? Wenn ja, geht die Schranke auf“, erklärt Katrin Altmann. „Wenn nicht, bleibt die Schranke zu und ein:e Mitarbeiter:in am Schalter bekommt eine Meldung aus dem System: da steht jemand an der Schranke, aber es gibt keine Erlaubnis für ihn“, so die Verantwortliche für das Betriebsleitsystem. Die Kameratore haben noch weitere Vorteile für den Betrieb am Terminal: „Damit haben wir jetzt eine Bilddaten-Dokumentation: Wie ist der Lkw eingefahren? Wann ist er eingefahren? Was hatte er dabei?“ erklärt Katrin Altmann. So hilft die Aufzeichnung auch dabei, mögliche Schäden zu dokumentieren. Die robusten Seecontainer müssen dank der Videoüberprüfung nicht mehr manuell vor der Verladung inspiziert werden.
Dies spart Wege und Aufwand für das Personal vor Ort. Die Mitarbeitenden müssen nur noch bei Klärungsfällen den LKW kontrollieren. Dies kann vorkommen, wenn das Kennzeichen nicht zum Auftrag passt – beispielsweise, wenn der LKW vom Fuhrunternehmen kurzfristig ausgetauscht wurde oder wenn das Kamerasystem mal etwas nicht eindeutig erkannt hat: „Wenn das geklärt ist, wird der Datensatz nachbearbeitet und die Freigabe zur Einfahrt erteilt.“ LKW, die sich bereits vorab digital mit der Smartphone-App angemeldet haben, können dann in den meisten Fällen direkt in die Spur zum Kran einbiegen. Diese Automatisierung spart viel Zeit bei der Abfertigung und reduziert sowohl den Platzbedarf als auch die Wartezeit für LKW vor Ort deutlich.
Auch an der Ausfahrt wird erneut digital mittels Kameratore geprüft, ob LKW und Ladung zusammengehören: „Das ist ein ganz großer Teil der Security bei uns“, so Katrin Altmann. „Da wird aufgezeichnet, welcher LKW welche Ladeeinheiten mitnimmt. Unser System gleicht ab: der LKW hat zum Beispiel zwei Container drauf, wenn er das darf, geht die Schranke auf. Wenn er das nicht darf, bleibt die Schranke zu.“ Dann entsteht automatisch ein Auftrag für die Mitarbeitenden im System und der LKW muss persönlich erneut kontrolliert werden. „Früher stand beispielsweise am Standort München zu jeder Schicht immer ein Mitarbeitender an der Schranke, der jeden LKW kontrolliert hat, ob der so hinausfahren darf. Das war also ein großer Digitalisierungsschritt für uns“, erinnert Katrin Altmann sich. „Wir haben viele manuelle Sichtungsprozesse abgeschafft.“
In wenigen Tagen in die Cloud
DUSS nutzt heute die DB Modular Cloud als Infrastruktur für die Software dieser Videoanlagen. Die Lösung steuert die Abläufe der LKW vor Ort und kann diese Vorgänge auch auswerten. Ursprünglich betrieb die DUSS die Software für jedes einzelne Umschlag-Terminal auf jeweils lokalen Clients. Diese lokale Installation hatte jedoch den Nachteil, dass der Zugriff von außen umständlich war. Beispielsweise mussten sich Mitarbeitende der Schadensabteilung bei Nachforschungen umständlich per VPN in die jeweiligen örtlichen Netzwerke einloggen, um die nötigen Informationen zu sammeln. So kam zusammen mit dem Anbieter der Videotore die Idee auf, das Backend der Kamerasysteme zentral in die Cloud zu bringen.
„Wir sind ein Konzernunternehmen und ich finde es praktisch, eine Lösung aus guter Hand im Konzern zu haben, statt nach einer externen Lösung auf dem Markt zu suchen.“
Durch die bestehende Zusammenarbeit mit dem IoTSec-Team der DB Systel, die bereits für die IT-Security in dem Projekt eingebunden sind, kam der Kontakt zum Team der DB Modular Cloud zustande. „Mir ist es immer lieber, eine integrierte Lösung aus dem Konzern zu haben, als etwas Externes“, so Katrin Altmann. Die Modular Cloud ist eine flexible Cloud-Infrastruktur auf Basis von AWS, bei der sich jeder Geschäftsbereich der Bahn unkompliziert vollständig Bahn-konforme Cloud-Ressourcen bestellen kann: „Einfach ein PDF ausfüllen und dann kostet es uns eine halbe Stunde, die Infrastruktur bereitzustellen“, berichtet Moritz Bertram, der Katrin Altmann als Teil des Cloud-Teams bei DB Systel beim Umzug in die Cloud begleitete.
In wenigen Schritten in die Cloud
„Und dann ging es los“, erinnert sich Katrin Altmann. „Es ging zunächst um Berechtigungen: wie kommt der Dienstleister da drauf? Hier kommt jetzt das Produkt „Sichere Fernwartung“ für sicheren Zugang auf die Anlagen neu zum Einsatz. Der Zugriff auf das System ist nur nach vorheriger Freigabe möglich. Gemeinsam wurden Konfigurationen für Rechte und Zugänge richtig angelegt: „Die Modular Cloud funktioniert nach dem Prinzip der Shared Responsibility“, berichtet Moritz Bertram. „Das heißt, wir liefern alles bis zum Betriebssystem. Wir kümmern uns darum und patchen, sodass immer alles auf dem aktuellen Stand ist. Sobald es auf die Anwendungsebene geht, ist der Kunde verantwortlich.“ In diesem Fall kümmerte sich DB Systel darum, die Infrastruktur fertig zu konfigurieren, damit der Anbieter der Videotore seine Software und Schnittstellen für den Cloud-Betrieb installieren konnte. Insgesamt dauerte der Schritt von der Idee bis zum Start mitsamt den Anpassungen des Anbieters rund ein halbes Jahr.
Jeder neue Standort kann jetzt in kurzer Zeit zur Cloud-Plattform hinzugefügt werden. Katrin Altmann ist selbst keine Informatikerin und hat dank der bisherigen Zusammenarbeit bereits Routine darin, einen neuen Standort in die Cloud zu bringen: „Das ist standardisiert aufgebaut und ist wie Plug-and-Play: Ich bestelle einen VPN-Tunnel, beantrage meine Firewall-Regeln, ich trage im AWS-Katalog noch eine Regel ein und in zwei Tagen steht der neue Standort. Da muss nichts mehr an der Schnittstelle gemacht werden.“
Cloud-Umzug leicht gemacht
„Wir sind total happy, damit arbeiten zu dürfen. Jetzt haben wir eine zentrale Sicht“, freut Katrin Altmann sich. „Dadurch, dass die Software in der Modular Cloud ist, kann jeder, der mit diesen Standorten zu tun hat - unsere Zentrale, unsere Geschäftsführer - darauf zugreifen. Zuvor war dies durch das ‚Netzwerk-Hopping‘ etwas komplexer.“ Moritz Bertram ergänzt: „User können auch jederzeit die Leistungsfähigkeit des Servers ändern, wenn es knapp wird oder wenn der Server nicht ausgelastet ist. Man ist da also sehr flexibel, ohne dass Downtimes dabei entstehen.“ Katrin Altmann nutzt dies beispielsweise für eine Testumgebung. „Nachdem jetzt viele bei uns sehr begeistert davon sind, schauen wir, was wir noch alles in die Modular-Cloud heben könnten“, resümiert Katrin Altmann: „Bei allem, was dafür geeignet ist, würde ich das auch gerne machen. Wir haben hier eine sichere 24/7-Betriebsführung innerhalb der DB und eine sehr transparente Kostendarstellung.“