DB SAP-Landschaft vollständig in der Cloud

Artikel: DB SAP-Landschaft vollständig in der Cloud

11/2020 – Die SAP-Landschaft der Bahn wurde im Zuge der Cloud-first-Strategie vollständig in die DB Enterprise Cloud migriert. Wir haben mit Daniel Kümmel, Migrations-Projektleiter SAP ISI, eines der größten SAP-Systeme der Bahn, und mit seinen Partnern vom SAP-Migrationsteam der DB Systel, Thomas Wahlich und Dominik Heller, über den erfolgreichen Weg in die DB Enterprise Cloud gesprochen.

27 SAP-Verfahren der Bahn sind in die Cloud migriert. Wie steuert man ein solches Projekt?
Dominik Heller: Als wir bei DB Systel Anfang 2017 mit den Planungen zur konsequenten Cloud-Migration der Verfahren und Anwendungen der Bahn begonnen haben, gab es für solch eine umfängliche Migration wenig bis keine Referenzen und Erfahrungsberichte. Uns war aber von vornherein klar, dass es nicht möglich sein wird, alle Systeme in einem „Big Bang“ auf einmal umzuziehen, sondern die Systeme einzeln in die Cloud zu migrieren. In Q3 2017 haben wir mit dem Aufbau der SAP-Grundstruktur in der Cloud begonnen. Zeitgleich arbeiteten wir an einem Plan, um die Reihenfolge der 27 SAP-Verfahren festzulegen. Hierbei haben wir Kriterien wie Komplexität, Lifecycle von Technologien und Verfügbarkeit der Ressourcen auf Kundenseite einbezogen. Dabei war besonders herausfordernd, allen Beteiligten gerecht zu werden und den fixen Endtermin zu halten. Letztlich haben wir mit den weniger komplexen Anwendungen begonnen, um Erfahrungen zu sammeln und schnell erste Erfolge zu erzielen. Der Weg hat sich als richtig erwiesen: Wir haben eine der größten SAP-Migrationen in Europa weitgehend störungsfrei durchgeführt.

Was war für den Erfolg ausschlaggebend?
Dominik Heller: Wir haben für die SAP-Verfahren – wie auch bei anderen Verfahren – eng mit dem Cloud-Provider AWS zusammengearbeitet [DB nutzt neben Cloud-Lösungen von AWS auch Cloud-Lösungen von Microsoft Azure, Anm. der Redaktion], der seine Expertise einbrachte und notwendige Features für uns umgesetzt hat. Ein großer Erfolgsfaktor war, wie wir uns für die Migration und den anschließenden Betrieb in der Cloud organisiert haben. Dazu muss man wissen, dass die DB Systel nicht nur technisch auf eine neue Infrastruktur gesetzt hat, sondern auch das Produktionsmodell in Richtung agile Arbeitsweise mit Ende-zu-Ende-Betrieb umgestellt hat. Das heißt, Teams verfügen nun über das nötige Fach- und AWS-Know-how, um ein System ganzheitlich zu betreuen und dafür zu sorgen, dass die Service-Level eingehalten werden. Alle Migrationen und Schulungen erfolgten parallel zum laufenden Betrieb. Ohne den außerordentlichen Einsatz aller Beteiligten – auch auf Kundenseite – wären wir nicht erfolgreich gewesen.

„Ein großer Erfolgsfaktor war, wie wir uns für die Migration und den anschließenden Betrieb in der Cloud organisiert haben."

Dominik Heller, Senior Projektmanager „SAP goes Cloud“, DB Systel GmbH

Dominik Heller


SAP-Cloud-Migration der DB in Zahlen
  • 27 SAP-Verfahren, etwa 125 Systeme plus Support-Systeme wie SAP-Contentserver- oder Outputmanagement-Lösungen
  • SAP HANA BW Migration in die Cloud
  • Etwa 370 Amazon EC2-Instanzen
  • Block-Storage von 260 Terabyte
  • Projektlaufzeit: 3 Jahre inkl. Vorbereitung

Welche Vorteile hat die DB Enterprise Cloud für das Verfahren SAP ISI?
Daniel Kümmel: In erster Linie ist der Performancegewinn anzuführen, den SAP ISI [siehe Infobox „Über SAP ISI“] in der DB Enterprise Cloud hat. Dies ist bei einem Verfahren, das die Informationen zur Instandhaltung aller DB-Fahrzeuge speichert und unternehmensübergreifend verarbeitet, ein wichtiger Faktor. Datenabfragen können nun noch schneller erfolgen, und Auswertungen stehen binnen weniger Sekunden zur Verfügung. Mit dem Umzug in die Cloud wurden auch weitere Investitionen in Hardware obsolet, die sonst angefallen wären. Teilweise wurden zehn Jahre alte Komponenten abgelöst. Jetzt bleiben die Systemkomponenten automatisch auf dem Stand der Zeit.

„Jetzt bleiben die Systemkomponenten ganz automatisch auf dem Stand der Zeit."

Daniel Kümmel, Fachlicher Projektleiter „ISI goes Cloud“, DB AG

Daniel Kümmel

Dies gilt im Übrigen auch für die 20 weiteren produktiven und nicht produktiven Systeme, die zum ISI-Kosmos gehören. Ein weiterer wichtiger Effekt ist natürlich die Skalierbarkeit. Zukünftig kann ISI mit den Anforderungen unserer Stakeholder technisch wachsen, ohne dass wir uns die Frage stellen müssen, ob sich dieser Invest auch langfristig lohnt. Hierzu können wir zusätzliche virtuelle Server einschließlich Rechenleistung, Speicher und Netzwerk innerhalb weniger Minuten bereitstellen. Nicht zuletzt verschafft uns die Cloud eine Möglichkeit zum Atmen: Wir sind jetzt in der Lage, auf Wunsch unkompliziert Sandboxen und Testsysteme für die Vielzahl unserer Partner bereitzustellen und schnell Neues auszuprobieren. Die Cloud macht uns deutlich flexibler.

SAP-Cloudmigration
Komplexes System, komplexer Umzug in die DB Enterprise Cloud: SAP ISI
Über SAP ISI

Die zentrale IT-Anwendung SAP ISI ist das führende System für die IT-gestützte Instandhaltung von Schienenfahrzeugen und Bussen im Bahnkonzern. Es ist europaweit die größte SAP-Installation für die Instandhaltung. Mehr als 15.000 Anwender planen, steuern, bearbeiten und dokumentieren unternehmensübergreifend die fristgerechte Durchführung von Maßnahmen bei der Instandhaltung von Fahrzeugen. Revisionssicher und qualitätssichernd. SAP ISI bietet einen vollständigen Blick auf den Zustand der DB-Flotten und versorgt derzeit 122 Partnersysteme über 300 Schnittstellen mit betriebsrelevanten Informationen wie etwa geplante Werkstattaufenthalte, Fristen und Einsatzfähigkeit. ISI ist auch die zentrale Datenbank für den Fahrzeug- und Komponentenbestand aller Triebzüge, Triebfahrzeuge, Reisezugwagen und Güterwagen der DB AG und liefert verlässliche Daten für die konzernweiten Data-Lakes.
Kurz zusammengefasst trägt ISI dazu bei, dass Fahrzeuge fristgerecht für die Kunden bereitstehen.

Wie läuft SAP ISI in der Cloud?
Thomas Wahlich: Die Entscheidung des DB-Konzerns, den Rechenzentrumsbetrieb aufzugeben, war keine SAP-spezifische Entscheidung, sondern diente der Neuausrichtung der IT und der Schaffung einer elastischen, zukunftsfähigen IT-Infrastruktur. ISI lief bereits vor dem Umzug in die Cloud sehr stabil und performant. Derzeit führen wir in der Cloud Optimierungen zur Verbesserung von Kosteneffekten durch. Bis wir Cloud Native Services vollumfänglich nutzen können, wird noch Zeit vergehen. Aber da sich das Cloud-Umfeld sehr dynamisch entwickelt, geht alles vielleicht schneller, als wir bisher dachten.

„Derzeit führen wir in der Cloud Optimierungen zur Verbesserung von Kosteneffekten durch."

Thomas Wahlich, Technischer Projektleiter Cloud Migration ISI, DB Systel GmbH

Thomas Wahlich

Wohin geht die Reise – wie entwickelt sich die SAP-Landschaft weiter in der Cloud?
Dominik Heller: Der Umstieg auf Cloud-Computing hat insgesamt dazu beigetragen, die Infrastrukturkosten um zehn Prozent zu senken, und führte zu einer besseren Effizienz im Systembetrieb, wie etwa schnelleres Backup und Recovery oder zusätzliche Möglichkeiten zur Automatisierung. Darüber hinaus bildet die Cloud die Grundlage für die bevorstehende Umstellung auf die Software der neuen Generation – mit Ausblick auf weitere erhebliche Effizienzsteigerungen durch Optimierung der Prozesse.

Mehr Informationen
  • Der Cloud-Provider AWS hat zur erfolgreichen DB SAP-Cloud-Migration eine Success Story veröffentlicht.
  • Das Marktforschungs- und IT-Beratungshaus Information Service Group (ISG) hat die DB SAP-Cloud-Migration in den Kontext aktueller Markttrends gesetzt.